Wie Calveslage entstandOb Calveslage nun den Chauken oder aber den geschätzen Einwohnern des Nachbarortes Spreda seinen Namen zu verdanken hat, läßt sich nicht genau sagen. Der Name Calveslage wird verschieden gedeutet. Die Wurzeln der ersten beiden Silben "Calves" werden wohl in der verlorengegangenen sächsisch-chaukischen Sprache zu suchen sein. Die Endsilbe "lage" findet man vielerorts in Dorf- und Eigennamen (Dinklage, Elmelage) und wird als "nasse, seichte Stelle" oder "feuchte Niederung" gedeutet. Dies würde auch "auf der Lage" zutreffen, wo der ursprüngliche Wohnplatz der Calveslager Bauern zu suchen ist, da diese Gemarkung in unmittelbarer Nähe des anmoorigen Fladders liegt. 890 - Erste urkundliche Erwähnung von Calveslage |
| Calveslage wird erstmals 890 urkundlich erwähnt (Calvaslogi), ebenso wie Langförden (Langanforda), zu dessen Kirchengemeinde Calveslage nach wie vor gehört. Zur Zeit der Christianisierung mag wohl in Langförden ein Fachwerkhaus als Kirche gedient haben, etwa um 800. Die Missionierung ging vom damals bereits bestehenden Benediktinerkloster in Visbek aus. Dessen Abt Castus, mit dem Familiennamen Gerbert, stammte aus hiesiger Gegend und war Schüler und Freund des Hl. Liudger, des ersten Bischofs von Münster. Liudger gründete im Jahre 799 das Benediktinerkloster Werden/Ruhr, das er zur Selbstversorgung und Unterhaltung mit einer Anzahl Bauernhöfe ausstattete. Auch sein Freund und Gönner Abt Castus schenkte aus seinem Fundus dem neuen Kloster an der Ruhr 36 Höfe aus unserer Gegend. Diese Höfe waren nunmehr abgabenpflichtig and das Kloster Werden und hatten jährliche Pacht an Getreide, Honig, Tieren und Geld zu leisten, die durch Möche erhoben wurden. Damit sich die Mönche in der Gegend zurechtfanden, waren Listen der abgabenpflichtigen Höfe, sogenannte Heberegister, angelegt worden. In einem solchen Heberegister aus dem Jahre 890 lautet die Zeile 10 und 11: "In Calvaslogi Fastrad XX modius de siglio et XVI denarios. In eodem Thiadrad similiter. In eodem Thervilo X (modios) de siglio octo denarios heriscilling. In eodem Albward octo de siglio et IIII (denarios) heriscilling." (Übersetzung: In Calveslage Fastrad 20 Scheffel Getreide und 16 Denare. Im gleichen Ort Thiarad dasselbe. Im gleichen Ort Thervilo 10 Scheffel Getreide und 8 Denare für die Heeresabgabe. Im gleichen Ort Albward 8 Scheffel Getreide und 4 Denare für die Heeresabgabe.) Fastrad, Thiadrad, Alfwar und Thervilo waren abgabepflichtige Klosterbauern. Mit großer Wahrscheinlichkeit wurden sie vom münsterschen Bischof übernommen und gelangten so in die Hörigkeit der Landesherrschaft. Wer in Calveslage von den heute noch bestehenden Höfen die Klosterbauern waren, läßt sich nicht mehr genau feststellen. Es wird vermutet, es sind dies die Höfe Meerpohl, Ostmann (Koldehoff), Deken (Koldehoff) und Elsemann (Vaske). |
Heberegister aus dem Jahre 890 |
| Die Bauernschaft, die um und auf der "Lage" mit 13 Urhöfen erstmalig Anfang des 16. Jahrhunderts in dem 1498 erstellten, rechts abgebildeten Kopfsteuerregister in ihrer Gesamtheit aufgelistet wird, hatte nicht mehr als 50 Einwohner: zu 1: Der Hof des Johan van Osten - er liegt seit jeher im Osten von Calveslage - gehört heute Clemens Koldehoff. Von 1571 bis 1588 ist Johan van Osten "Kerckradt" (Kirchenrat). Der 30jährige Krieg und die Pestzeit brachten den Hof an den Ruin. Maria Gertrud Ostmann heiratete in zweiter Ehe den Nachbarn Johann Henrich Bulthop. Dadurch waren drei Bauernstellen (Meier-Holtrup, Bulthop und Ostmann) in einer Hand. Da keine direkten Nachkommen vorhanden waren, fiel die Ostmann-Stelle an Koldehoff (Niesken) aus Hagstedt. zu 2: Fastike ist die Koseform des Namen Fastrad (der Schnellratende). Nach Berndt Vasteke (1498) blieb der Hof durch verschiedene Einheiraten, die den Namen Vaske annehmen, bestehen. zu 3: Die alte Bulthop-Stelle, nördlich von Thöle gelegen, ist im vorigen Jahrhundert eingegangen. 1838 heiratete der letzte des Stammes, Theodor Henrich Bulthoep, die Erbtochter des Meierhofes in Holtrup. Der spätere Erbe Ostmann ließ das Erbhaus abbrechen. zu 4: Auch die Elsemann-Stelle ist eingegangen. Der 30jährige Krieg und spätere Krankheiten suchten auch diesen Hof und seine Bewohner heim. Die Ländereien gingen durch Erbgang 1856 über an J. H. Habe, 1890 G. Habe, 1927 durch Kauf an H. Vaske. zu 5: Alhardt Punt hatte seinen Hof auch im Drubbel "auf der Lage". Dieser war ebenso verwüstet, so dass ihn keiner im 17. Jahrhundert übernehmen wollte. Über verschiedene Besitzer gelangte der Hof an Gellhaus und Siemer. Punte zog nach der Markenteilung und Verkoppelung zum Calveslager Esch an der heutigen Bundesstraße. 1947 heiratete Aloys Wehenpohl aus Palmpohl die Martha Siemer. zu 6: Menke Merpoel und Johan Merpoel sind Vater und Sohn, der Vater wohnt auf der Leibzucht. Man vermutet, dass in dem Namen die Nachfahren des Merbilo, der 890 abgabenpflichtig an das Kloster Werden war, zu suchen sind. Hart mitgenommen in den Kriegen behielt der Hof trotz verschiedener Aufheiraten den alten Namen. zu 7: 1623 im 30jährigen Krieg wird der damalige Wehrfester Heinrich Gellhuß erschossen, als er sich schützend vor die Seinen stellte. Der letzte Calveslager Anerbe, Theodor Henrich Gellhaus, kaufte 1850 die Deeken-Stelle, erbaute 1875 die "Gells Mäöhlen" (heute Borgerdings Mühle) und erwarb 1877 das Gut Brettberg b. Lohne. Die Calveslager Liegenschaften wurden damit veräußert. |
![]() Kopfsteuerregister von 1498 |
|
zu 8: Die alte Stelle von Gerdt die Wendt ist heute die von Dr. Alfons Vaske. Die schon 1283 erwähnte Stelle hatte auch im 30jährigen Krieg arg zu leiden. Die Gertrud Wendt heiratete den Nachbarn Johann Joseph Vaske, dessen Urenkel heute die Stelle bewirtschaftet. 1852 - Calveslager MarkenteilungAls dann 1852 die Calveslager Mark geteilt wurde, standen über 70 ha Tertia-Grund zur Disposition. Es war die Geburtsstunde vieler Neubauern, die mit Unternehmergeist und großem Engagement damals den Grundstein für die heutige blühenden Betriebe ihrer Enkel legten. So konnten folgende Neubauern ihre neu begonnenen Existenzen durch den Erwerb nenneswerter Flächen festigen:
1878 - Bau der Calveslager SchuleAm 01.10.1878 stellten die vier südlichen Bauerschaften der Gemeinde Langförden, Calveslage, Bergstrup, Vardel und Stukenborg, den Antrag auf Errichtung einer eigenen Schule in Calveslage.Mit rund 6000 Mark aus dem Erlös des Verkaufs der Schulzuschläge, aus Markenteilungsüberschüssen und dem Verkauf von 12 Scheffelsaat war das Geld für einen Neubau vorhanden. Außerdem reichten die Einkommensverhältnisse aus, um die Schule zu unterhalten. Bereits am 07.10.1879 meldete der Schulvorstand: "Die neue Schule ist in 14 Tagen fertig. ... Das Gehalt des Lehrers möge 750 Mark betragen. Wir bitten um einen Lehrer." Das Gesuch ist unterschrieben von Vaske und Gellhaus aus Calveslage, Surmann aus Bergstrup, Ellerhorst aus Vardel und Averdam aus Stukenborg. Nachdem der Schulamtskandidat Joseph Kolbeck, Mühlen, den Unterricht am 27.10.1879 eröffnet hatte, wurde Lehrer August Rehling, ebenfalls Mühlen, am 01.05.1880 als Hauptlehrer in Calveslage angestellt. Er leitete die Schule bis 1912. Sein Nachfolger war Gottfried Beckermann, der seinen Dienst als Schulleiter bis 1937 versah. Auf ihn folgte Anton Vornhusen. Die Schülerzahlen der Schule Calveslage betrugen in den ersten zehn Jahren um 85, fielen Anfang der 90er Jahre auf 65 und stiegen am Ende des 1. Weltkrieges auf über 100 Schüler an. Aus diesem Grund dachte man an die Vergrößerung der Schule. Indes stellten die Vardeler, Stukenborger und Bergstruper den Antrag auf Errichtung einer eigenen Schule. Sie nahm 1919 den Unterricht auf und entlastete Calveslage erheblich. Am 17.08.1945 übernahm Lehrer Karl Tabeling aus Oythe den Unterricht und somit auch die Schulleitung. Wie so viele seiner Kollegen in anderen Orten auch, stand er vor schier unüberwindbaren Schwierigkeiten bei der Organisation des Schulunterrichts. Es fehlte an Schulmobilar, an Büchern und Heften; die Kinderzahl wuchs täglich durch den Zustrom der Vertriebenen. Außerdem mußte durch die Aktion "Kinderlandverschickung" in den Jahren 1945/1946 noch zusätzlich eine größere Zahl Kinder aufgenommen werden. 1947 wurde mit dem Lehrer Johan Bojert die zweite Klasse eingerichtet. Da nur ein Raum zur Verfügung stand, fand der Unterricht vor- und nachmittags statt. |
|
Der notwendig gewordene Anbau an die Schule konnte Anfang 1951 bezogen werden. Die Schülerzahlen lagen in
den Folgejahren zwischen 70 und 80. Aufgrund des Wegzugs vieler Vertriebenenfamilien und der Einrichtung der evangelischen Volkschule in Langförden verringerte sich die Schülerzahl gegen Ende der 50er Jahre, so dass die zweite Klasse 1957 wieder aufgegeben wurde. Im Jahr 1961 mußte sie dann wieder eingerichtet werden. Bedingt durch die Betriebserweiterungen der Calveslager Firmen, durch Ausweitung der Siedlung Calveslage als Baugebiet, stieg die Kinderzahl wieder stark an. 1966 war man sogar gezwungen, den Dachbodenraum der Schule als 3. Klasse einzurichten. Mit der Einführung der Förderstufe in den Klassen 5 und 6 bahnte sich das Ende der Volksschule Calveslage an. 1967 erfolgte die Umschulung des 7. und 8. Schuljahres, 1968 die des 5. und 6. nach Langförden. Die Grundschule verblieb noch bis zum 31.07.1971 am Ort. |
![]() Calveslager Schule |
|
Dabei hatten die Gemeinde Langförden und die verantwortlichen Elternräte der Schulen Calveslage und Vardel den Bau einer neuen vierklassigen Grundschule in der Nähe der Siedlung Calveslage beschlossen. Die damalige Kinderzahl reichte aus, diese in vier Klassen jahrgangsweise zu beschulen. Aber die neuen schulgesetzlichen Bestimmungen sahen wenigstens zweizügige Grundschulen vor, d. h. mindestens 60 Kinder pro Jahrgang. So wurde dem fertigen Schulbauantrag die behördliche Zustimmung verweigert.
|
Oberstufe der Calveslager Volksschule 1965 |
Oberstufe der Calveslager Volksschule 1965: 1. Bankreihe: Hildegard Kröger, Maria Wolking, Annegret Wilkens, Luzia Otten. 2. Bankreihe: Ida Ripke, Marlies Bakker, Annelies Kröger, Rosemarie Lammers. 3. Bankreihe: Ludger Tabeling, Manfred Thönelt, Hermann Moormann, Franz Ostendorf, Otto Wilkens, Georg Wilkens, Alfons Kleier, Klaus Lammers. 4. Reihe stehend: Lehrer Tabeling, Joseph Willenborg, Aloys Busse, Joseph Bardelmann, Walter Bittner und 2 Praktikantinnen von der Pädagogischen Hochschule Vechta. |
|
![]() Erschließung des zweiten Bauabschnitts
des Binsenweges im Juli 2001 |
So entstanden südlich der Loher Straße (heute Bakumer Straße) die
Rosenstraße (heute Wiesenweg) und parallel dazu die Irisstraße (heute Rispenweg), welche wiederum durch die Nelkenstraße
(heute Trespenweg) miteinander verbunden sind. Nördlich der Loher Straße entstanden Wohnhäuser an der Mohnstraße
(heute Salbeiweg). Die Änderung der Straßenbezeichnungen erfolgte durch die Eingliederung der Gemeinde Langförden in
die Stadt Vechta im Jahre 1974. Aufgrund der hohen Nachfrage von jungen bauwilligen, aus Calveslage kommenden Familien entstanden Anfang der 90er Jahre östlich des Wiesenwegs (Raigrasweg) und Ende 1999 südlich des Wiesenwegs (Binsenweg) neue Baugebiete. Heute hat die Calveslager Siedlung fast 100 bebaute Plätze mit ca. 300 Einwohnern. Die Gaststätte "Siedlerklause" und das nahegelegene Lebensmittelgeschäft von Hermann Moormann (Pächter: Josef Kossen) dienen der Grundversorgung der insgesamt 800 Einwohner von Calveslage. |
[Die Angaben und Fotos zur Calveslager Geschichte wurden zum größten Teil den Büchern "1100 Jahre Calveslage" und "Chronik Langförden" entnommen.] |